Wischiwaschi

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WischiWaschi …Verwässerung

Vor kurzem betrauerte Martin John die Verwässerung des Begriffes Craftbeer in der Brauindustrie 09/2017. Dieser in sich sehr schlüssig und gut geschriebene Artikel hat einen kleinen Fehler.

Er geht davon aus, daß es eine eindeutige Definition für Craftbier gebe.

Was bisher geschah:
Wenn wir auf´s letzte Jahrzehnt zurückblicken, können wir eine Bereicherung an Bierstilen in Deutschland feststellen. Einigen wenigen ist es bisher sogar gelungen, sauber gebraute, schmackhafte, neue Bierstile auf dem Markt zu etablieren.
Parallel dazu nahmen die mittelständischen Brauereien zur Bewerbung ihrer alten Puschenbiermarken die Anregung dankend auf und mit Hilfe millionenschwerer Marketingbudgets und ein bißchen technischer Implementierung wurde eine Craftbier-Range als Marketingstrategie etabliert. Daß diese letztgenannten dabei nicht mit dem Craftbier-Begriff in Konflikt geraten, liegt daran, daß dieser Begriff so schwammig ist, daß selbst eine Warsteiner Brauerei sich da wiederfinden kann. Einfach mal bei Wikipedia nachlesen oder direkt bei der Quelle:https://www.brewersassociation.org/brewers-association/craft-brewer-definition/  .

Die Ursache bleibt dem, der sich die Herkunft des Begriffes ansieht, kein Rätsel. Jede Person, die mehr als 75% der Brauereianteile sein Eigentum nennt, ist ein Craftbrewer.
Genau genommen ist Craftbeer der Kampfbegriff gegen den Marktriesen AB/Inbev.

Derjenige, der mit dem Craftbeerbegriff arbeitet, betreibt automatisch Lobbyismus gegen AB/Inbev. Basta. Um mehr geht es nicht.
Kurz checken, wer dann in Deutschland unser Feind wäre: Beck´s, Corona, Franziskaner Weissbier, Hasselröder, Diebels, Hacke-Beck, Löwenbräu und Spaten. Das waren 2015 insgesamt 7,9 Millionen Hektoliter und entspricht wohl der Größe von Öttinger, die wiederum schon ein Craftbewer allein nach den amerikanischen Craftbeerkriterien sind.

Vor kurzem sagte meine Freundin Barbara: „Esther, die Branche ist innerhalb von wenigen Jahren so extrem verkommen!“
Dieser Diagnose konnte ich uneingeschränkt zustimmen. Es muffelt in allen Ecken. Wer sich heute in der deutschen Craftbeerbranche bewegt, hat den Eindruck, in einem testosteronüberfüllten und vor hopfig-ranzig stinkenden Turnschuhen überquellenden Jungenzimmer zu stehen.

Besonders traurig ist, wenn selbst neue Brauer, die die seriöse Sparte vertreten möchten, nicht davor scheuen, mit Wachstumszahlen um sich zu werfen. Dabei umgehen sie sehr elegant das Nennen von Zahlen und Fakten und sprechen gerne von einer Wachstumssteigerung in Prozenten. Sie könnten anstatt von 100 Prozent Wachstum zu sprechen, auch genaue Mengen angeben. Jeder etwas mehr denkende Mensch wüßte dann, was wirklich passiert. So aber halten sie selbst Wirtschaftszeitungen bei Laune und tragen zu falschen Schlußfolgerungen bei, was letztendlich nicht anders von denen betrieben wird, die für Reinheitsgebot plädieren.

Craftbeer ist im Mainstream angekommen und das bedeutet nicht mehr als in der Mittelmäßigkeit.

Das bedeutet Marketing.

Das bedeutet Fakenews.

Willkommen in der Gegenwart!

Text: Esther Isaak

PS: Soeben las ich von Rory Lawton über das energetisierte Wasser bei Brlo. Dank an den Autor!

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