… weil ihn niemand aufgeklärt hatte, landeten 10 Brooklyn Lager im Ausguß

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… dieser Schmerz läßt mich nicht mehr los.

Es ist die Episode mit einem jungen Mann, der gerne Lagerbiere, geschmeidige fränkische und überhaupt untergärige helle Biere trinkt, die mich nicht mehr los läßt. Es ist die Geschichte, die ich vergangene Woche mit diesem Kunden erlebte.

Er stöberte nach Sonderangeboten und neuen Bieren. Nein, seine Laune war an dem Tag nicht die südlichste und ja, er war unzufrieden; vielleicht über sich, auf jeden Fall über mich und mein Angebot. Es wäre ja nichts da. Und so. Und überhaupt.

Nunja, wir hätten schon viel Neues da, aber eben nicht aus seinem Interessensgebiet, war mein Einwand. Vielmehr wären uns die regionalen Kleinbrauer wichtig.

Und er schaute mich mit schmerzverzerrtem Gesicht an und kippte einmal sein Innerstes verbal über mich: Diese CRAFTscheiße würde ihm total auf den Keks gehen. Was sei denn das für ein Bier, daß man nur aus bestimmten Gläsern trinken könne. Zehn Flaschen Brooklyn Lager habe er weggeschüttet, weil keiner ihm gesagt habe, daß es nur aus einem Glas schmecke. Und überhaupt fände er das alles schlimm. Dann könne er doch gleich Weintrinker werden.

Ich stand unter Schock und wahrscheinlich habe ich ihm Recht gegeben, denn der Kunde hat immer Recht. Seither jedoch sinniere ich über unsere Bierkommunikation  und das Gefühl, daß manch ein Bierapostel unterwegs ist, der auch einen Hühnerflügel mit Messer und Gabel bearbeitet, läßt mich nicht los.
Für diejenigen, die es noch nicht wissen: CRAFT ist nicht nur am Verkostungsglas schnüffeln, einmal sämtliche Früchte der Südsee aufzählen, Fottto schießen, Posten, Sternchen vergeben und nach 2 Schluck auf zum nächsten.
Wenn wir Botschafter für Gutes Bier sein wollen, dann sind wir grad auf dem Holzweg bzw. auf dem besten Weg zu dem zu werden, was vor kurzem noch Prosecco Schickería hieß und zu der wollte ich jedenfalls nicht gehören.

Text: Esther Isaak

2 Responses

  1. Gerrit

    Die Prosecco-Schickeria macht jetzt in Craft Beer (oder dem, was sie dafür hält). Ist a weng ärgerlich, aber erst mal nicht zu ändern. Aber immerhin besteht die Chance, dass auch Schickeristen und -innen irgendwann getränkemäßig erwachsen werden und z.B. Oberfranken entdecken und schätzen lernen, wo Bierbrauen immer schon Handwerk war und geblieben ist. Derweil müssen wir halt Ruhe bewahren und arme Seelen wie den Brooklyn-Lager-Wegschütter an die Hand nehmen. Immerhin war er nicht empört, weil Du kein Oettinger im Sortiment hast, als »angebliches Fachgeschäft«! 🙂

    • Esther

      Aber was heißt an die Hand nehmen? Das Wissen, das über Jahrzehnte gehortet wurde, einfach drüberstülpen?

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