Wanderer, gehst Du nach Parchim,
dann kehre ein im ehemaligen Kaiserlichen Postamt,
Schuhmarkt 5 19370 Parchim
www.kaiserliches-postamt-parchim.de

Als Urlaubslektüre dient momentan BUH von Leander Haußmann.
Selbiger beschreibt das Theaterleben u. a. in Parchim und er schildert sehr eindrücklich, daß während der DDR für einen Schauspieler eine Versetzung nach Parchim der in einen GULAG gleich gekommen sei.
Insofern begleiten den Besuch der Stadt gewisse Vorurteile. Doch sie bestätigen sich nicht. Parchim ist sehr schön. Der Stadtkern ist bis auf winzige Ecken komplett und sehr liebevoll saniert.
Direkt am Markt befindet sich das ehemalige Postamt, das zwar mondän aufgrund seiner dicken Gemäuer, jedoch sehr dynamisch wirkt. Es beherbergt eine Gasthausbrauerei, ein Gasthaus und 14 Fremdenzimmer. Die Einrichtung ist angenehm.

Man ist gespannt. An das Bier haben wir keine Erwartungen, jedoch treibt uns der Wunsch, nach einem ordentlichen Mittagessen. Leider ist es immer noch schwierig, in Mecklenburg ein bezahlbares und gutes Mittagessen zu erwischen: Zwischen 4 Spiegeleiern mit flüssigem Eiweiß auf  Wabbertoast ohne Gewürze und Menü findet man wenig. Jedoch sind wir mutig und werden freudig zum einen von einer engagierten Kellnerin und zum anderen von einem guten Essen entschädigt. Es schmeckt, ist gewürzt und man hat den Eindruck, daß es nicht nur heiß geschossen wurde. Dieses schon mal vorweg.

Natürlich habe ich das Braumeistergedeck geordert. Es kommen:
– ein Helles
– ein Sommerbier mit wenig Alkohol
– ein Weizen
– ein Dunkles
– ein Honigstarkbier.
Das ist allein von der Sortenvielfalt mehr als ich erwartet hatte und auf Anhieb scheint auch kein Fehlgeschmack dabei zu sein. Nebenan, mitten im Raum, wird grad´ gebraut. Also gibt es nichts Naheliegenderes, als sich mit dem Brauer zu unterhalten.
Es kommt ein freundlicher, junger Manfred Baacke, der sich sichtlich freut, über Bier reden zu dürfen. Er erzählt, daß seinem Chef das Helle zu bitter sei, daß er inzwischen nur noch Naturhopfen nimmt, weil die Bittere angenehmer sei und auch die Hefe begeisterter wäre. Er erzählt, daß er regen Austausch mit Timm Hennings aus Leezen pflegt und das im Herbst das rote Starkbier kommen werde. Er berichtet von seinen Erfahrungen mit Hopfenstopfen und von der Kleinstadt und dem nicht tobenden Leben.

Biersorten in Parchim

Die Gasthausbrauerei ging vor ein paar Jahren Konkurs. Nach jahrelangem Leerstand übernahm ein Spediteur das Projekt und heute scheint wieder alles ganz rund zu laufen, aber bis die Brauerei wieder die der Anwohner wird, kann viel Atem vergehen.
Hoffentlich geben sich die Parchimer noch einmal einen Ruck und gehen hin und probieren und bleiben.
Ich bin auf jedem Fall froh, einen Ort an der A24 gefunden zu haben, wo ich sowohl trinken als auch essen kann, ohne später mit Abneigung an den Ort zu denken. Es scheint sich etwas zu tun, auch in Mecklenburg – und die sind langsamer

Esther Isaak