Oliver Wesseloh wirft seinen Hut in den Ring

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You can leave your hat on

Vier Sude nacheinander, die Vorderwürze wurde zum Würzekochen verwendet, mit den Nachgüssen wurde wieder eingemaischt, haben nach 25 Stunden 2700 Liter für Feinschmecker hervorgebracht, haben eine Stammwürze von 25 Grad Plato generiert und nach 3 Monaten im Reifetank beglücken sie uns nun mit einem Alkoholgehalt von 9,5%.

Barley Wine, der Bierstil, der entstand, als unsere Erde noch kälter war und auf dieser Insel Großbritannien der Weinanbau schwierig war. Damals kreierte man ein Bier, das aufgrund seiner Beerenaromen an Wein und meiner Meinung nach vor allem an Portwein erinnert.

Dieser Tropfen, der aufgrund seiner Hopfenakzentuierung moderner und schlanker daherkommt, als die behebigen Vorfahren, wärmt, belebt und erfreut Gaumen und Gemüt.

Und bei dem Alkoholgehalt sollte auch mal über Verträglichkeit gesprochen werden. Aus persönlicher Erfahrung mit dem Big Food von Sierra Nevada reichen 0,2l, um am Folgetag mit einem Brummschädel aufzuwachen. Bei Warsteiner bekomme ich schon Kopfschmerzen, wenn es in meine Nähe kommt. Und jeder, der Alkohol genießen und trotzdem leistungsfähig bleiben will, weiß nach zwei Schluck, ob er das Bier vertragen wird.

Barley Wine Kehrwieder 051Bei dieser Hommage an Joe Cocker trinkt man die erste Probe, bleibt fasziniert zurück, legt schon mal den Mantel ab und zieht die Schuhe aus. Nimmt eine erneute Probe und rätselt über Cognacnoten, Kirsch- und Schokoladenaromen, oder war es doch eher Kirschblüte. Entledigt sich des Pullovers, nimmt noch einmal eine Probe, sinniert darüber, ob Bier vielleicht doch auch anregend sein könnte. Nimmt noch eine Probe und fragt sich, ob es nicht doch eine Sherrynote sein könnte und ob die Zitrusnote die Eleganz hervorrufe. Nimmt noch einmal eine Probe und antizipiert, wie es wohl in fünf Jahren schmecken könnte.
0,7 Liter später hat man zwar nur noch den Hut auf, weiß aber was wahre Bierliebe ist.
Am nächsten Tag ist der Kopf klar und die Lust, noch einmal die wahre Bierliebe, egal was die Leute reden, zu erfahren, ist auf´s Neue da!

Text: Esther Isaak

Kleine Anmerkung: Wer wissen will, wie gut das Bier wirklich ist, trinkt es warm. Wer wissen will, wie gut das Bier sein wird, läßt es einen Tag stehen, damit die besonders flüchtigen Hopfenaromen und die Kohlensäure entflohen sind und kostet dann noch einmal.

Große Anmerkung: Das Etikett wurde von ALex Diamond entworfen

Zweitgrößte Anmerkung: Dieses ist ein Kollaborationssud mit der Brauerei Nittenau. Leider weiß ich zu wenig über sie. Nach dem Ergebnis zu urteilen, wissen sie auch was sie tun.

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