Nachhaltigkeit in Handwerksbrauereien – mal ein Buch lesen

Eingetragen bei: Bierbücher, Nachhaltigkeit, Wirtschaft | 0

BuchumschlagIn der Begeisterung um neue Bierstile und handwerkliche Verfahren, ist die Betrachtung von Umweltverträglichkeit in den Rückstand geraten.

Wodurch können sich die neuen Brauer von den konventionellen abgrenzen?

Was wollen die Neuen Brauer:

– Eine bessere Welt durch besseres Bier?

– Aufgeklärte Konsumenten?

– Oder einfach nur Titelseiten in Foodpornos?

Was wollen die Konsumenten:

– Besseres Bier?

– Mehr Fairness und eine Welt, die auch für ihre Kinder noch wundervoll, oder nur ein cooles Foto mit Aluminiumdose in der Hand?

Hat sich jemals jemand gefragt, wieviel Bierkonsum für ich ihn ökologisch vertretbar wäre?

Martin Walschebauer, der Brauer des Biersec Coco D´or,  meint, Bier sei an sich schon so ein Ressourcenvampir, daß die Zutaten auf jeden Fall ökologischer Herkunft sein müßten, um überhaupt einen Bierkonsum ethisch vertretbar zu machen. Ähnlicher Ansicht ist auch Jochen Mader.

Es war schon erstaunlich, die Reaktionen auf den neuesten Glyphosat-Aufschrei seitens der neuen Brauer auf facebook zu lesen. Einer von ihnen wußte tatsächlich nicht, daß dieses Unkrautvernichtungsmittel seit vielen Jahren in Deutschland erlaubt ist. SIcherlich hat er das Thema auch wieder zu den Akten gelegt, „weil das ja doch nicht so schlimm ist“. Daß aber ganze Ökosysteme durch das Gift in Mitleidenschaft gezogen werden, daß komplette Produktionssysteme von den Chemiekonzernen dirigiert werden, das interessiert ihn wahrscheinlich nicht.

In der Generation der 50jährigen ist es ohnehin immer noch salonfähig, über ökologische Argumente zu lächeln, und sich auf den Standpunkt der anscheinend nüchternen, technischen Fakten zurückzuziehen.

Die Wahrheit ist komplex und am allerschwierigsten ist es, Fragen so gezielt zu formulieren, daß einer Beantwortung nichts mehr im Wege stünde.
Wer beispielsweise erfahren will, wie giftig und wenig nachhaltig die Produktion von Aluminiumdosen ist, sollte sich ca. 10 Stunden GoogleleiZeit nehmen. Im Laufe dieser Zeit wird er immer neuen LobbyismusSchrott lesen müssen, immer wieder neue Suchbegriffe starten und immer wieder auf wunderbare Diagramme stoßen, die beispielsweise den Energieaufwand für die Produktion einer Einwegdose mit dem der Flasche gleichsetzen, ohne jedoch zu differenzieren, daß von einer Einwegflasche die Rede ist, und ohne die ökologische Rotschlammkatastrophe beim Abbau von Bauxit im Regenwald zu erwähnen.
Interessanterweise werden die Daten der Lobbyisten auch in Fachzeitschriften völlig unkritisch übernommen.

Es gibt nur einen Weg, die richtigen Fragen zu stellen: Mehr Wissen. Zu Wissenswachstum kommt man durch Lesen.

Hier ein wahres Juwel für Brauereigründer:
Nachhaltigkeit in Handwerksbrauereien von Katharina Landerer und Manfred Mödinger
In diesem Leitfaden werden Kriterien zum nachhaltigen Handeln in allen Bereichen des Brauens entwickelt :

Rohstoffbeschaffung und –verarbeitung
Hilfs- und Betriebsstoffe
Energieversorgung
Technik und Technologie
Verpackung
Distribution
Konsumententransparenz und Kommunikation.
Im letzten Kapitel spricht man noch das Thema „Ethische Anforderungen an nachhaltige Betriebe“ an. Dieser Aspekt ist deswegen so faszinierend, weil er beispielsweise dazu auffordert:
– Zahlungen an politische Parteien offen zu legen
– keine irreführende oder diskriminierende Werbung zu betreiben
– Rohstofflieferanten zu nennen
– Kollegial mit Nachbarbrauern umzugehen
– sich nur mit Lieferanten zu umgeben, die die eigenen Grundsätze teilen
– sich auch die Kreditgeber genauer anzusehen.
Sicherlich ist der Bau einer Brauerei sehr stressig und dem Brauer brummt schon ohnehin der Schädel, jedoch ist die Lektüre dieser Studie sicherlich ihre 19,90 € wert.
Nachhaltigkeit in Handwerksbrauereien von Katharina Landerer und Manfred Mödinger / 2014 Fachverlag Hans Karl GmbH und BierConvent International e. V. / ISBN 978-3-418-00845-5 / 101 Seiten (auch in englischer Sprache erhältlich)

Seitdem ich das Buch gelesen habe, kommen meine Kronkorken in die Gelbe Tonne. Ich hatte noch nie darüber nachgedacht, welche Ökorelevanz ein Kronkorken hat.

Das Buch wurde mir von Hans Karl Verlag geschenkt. Wer es sich ausleihen will, kann es gerne bei mir tun. Manfred Mödinger ist ein anerkannter Berater innerhalb der Biobierbranche: Leise, hilfsbereit, kompetent und ohne Website.

 

 

Biere, bei denen jemand Verantwortung übernommen hat
Biere, bei denen jemand Verantwortung übernommen hat

 

Text &  Foto: Esther Isaak

Hinterlasse einen Kommentar

*