Gebt mir meinen Kuli zurück: Eine Reaktion

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Gebt mir meinen Kuli zurück!

Eine Reaktion auf das hier:

http://www.spiegel.de/stil/craft-beer-trend-aus-den-usa-veraendert-das-image-des-biers-a-1058152.html

Was waren das noch Zeiten, als man unter  jeder Brücke, in jeder Kneipe, selbst in der Bahn jemanden um einen Kuli bitten konnte. Jeder hatte ihn, meistens schmierte er, manchmal lief er aus, aber auf der ganzen Welt wurde mit Kuli geschrieben. Es war dieser Kugelschreiber, der uns alle gleich sein ließ.

Dann kam die Luxusbranche, gesteuert aus der Schweiz, woher auch sonst, und brachte uns die Schreibgeräte.  Und plötzlich ist dieses uns alle verbindende und gleichstellende Element vorbei. Es entstehen Boutiquen, in denen nur noch mit Schreibern gehandelt wird, die dann selbstverständlich Schreibgeräte heißen. In diesen präsentieren uns Experten in schwarzen Anzügen mit weißen Handschuhen ihre Meisterstücke und lassen uns Schreibtests machen; stellen fest, ob die Feder links oder rechts geschliffen sein müßte, reden über Entschleunigung und die Kunst des Schreibens, darüber daß man das Schreibgerät am Herzen trägt, darüber, daß die Hamburger Schreibgeräte von einer Generation zur anderen weitervererbt.

Dabei will ich doch nur einen Kuli! Was habe ich falsch gemacht?
Ganz einfach: Ich hätte zu ALDI oder Penny oder REWE oder Lidl gehen müssen. Nicht das Schreibgerät ist hier falsch, sondern ich bin hier falsch.

Wer in Hamburg ein Gleichstellungs-Becks trinken und die Weltregierung Inbev Anheuser Bush unterstützen will, hat 100.000  Möglichkeiten, vielleicht auch mehr, dieses zu tun. Wer ein Bier zelebrieren will, hat in der Hamburger Gastronomie vielleicht 10 Möglichkeiten.

Den wirtschaftlichen Aspekt, daß beispielsweise diese Hamburger Firma mit den Schreibgeräten durch ihre Innovation wieder Handwerkern, Feinmechanikern und auch Presseleuten Arbeit geben konnte, den lassen wir heute mal aussen vor. Das wird dann noch komplizierter.

Also meine Frage des Tages: Worüber wird eigentlich kommentiert?

Teakston old peculiar 013

Text und Foto: Esther Isaak

 

 

 

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