EtikettenCraft

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Nach welchen Kriterien kann der Bierliebhaber erfahren, ob er ein wahrhaft leidenschaftliches Bier vor sich hat oder nur ein leidenschaftliches Etikett?

Wie kann er wissen, ob jemand es nach eigenem Rezept in Auftrag gegeben, oder mit eigenem Rezept auf der Anlage eines anderen gebraut hat?

Wie kann er wissen, ob es nur ein Etikett ist?

1. Was sollte auf dem Etikett stehen: Ein souveräner Braumeister hat keine Geheimnisse:

  • Braustätte
  • Malze
  • Hopfen
  • Hefetyp
  • Trinktemperatur
  • Aromen- bzw. Geschmacksprofil, das über spritzig, lecker, frisch hinausgeht.

2. Die Story
Heute werden Geschichten und nicht Waren verkauft. Wenn eine US-Auswanderungsgeschichte erzählt wird, ist sie in 99% der Fälle erstunken und erlogen.

3. Die Fotos
Sehr skeptisch sollte man werden, wenn Frauen in rosa Stiefeln an Barriquefässer gelehnt sich placieren.

4. Im Gespräch: Frage handwerkliche Schritte ab, frage, seit wann man sich mit dem Brauen beschäftigt, frage nach Brautechniken.

5. Brauen ist genauso anspruchsvoll wie Brotbacken.
Wie oft ist Dir ein wirklich Gutes Brot gelungen?
Wann hast Du Dein eigenes Brotrezept kreiert?
Wie oft mußtest Du ein Brot nach Rezept backen, bis Du Dein eigenes Rezept machen konntest?

Oft werde ich gefragt, warum ich nicht selber braue: Ich habe erst zwei Braukurse besucht, bin viel zu faul und ich habe viel zu großen Respekt vor der Magie des Zusammenspiels von Wasser, Malz, Hopfen und Hefe. Trotzdem habe ich manchmal gute Ideen für ein Bier.
Jemand, der sehr gute Ideen hat, wie beispielsweise Sebastian Sauer, sollte sich gerne als solchen feiern lassen, denn das Methusalem ist genial. Die Idee stammt von Sebastian, das Bierrezept entworfen haben nach meiner Information Peter Esser und Fritz Wülfing.  Gebraut wird es wiederum an verschiedenen Braustellen. Das ist eine komplizierte Konstellation und wenn sie etwas transparenter dargestellt würde, wäre das Bier noch köstlicher. Auch Mikkeler aus Dänemark ist so ein Ideengeber, einen eigenen Sud macht er selten.
Diese Ideengeber schaden der neuen Bierkultur nicht, vielmehr beflügeln sie die Braukreativität,

aber die Dummschwätzer, die behaupten, daß sie selber brauen könnten und dann irgendwas abfüllen lassen und ein fesches Etikett drauf packen, die schaden uns sehr wohl. Denn diese Pappnasen können nicht einmal einschätzen, ob ihr Bier stilecht, ob es gar oder halbgar oder gar infiziert ist. Sie sülzen jeden Fehlgeschmack nieder mit : Das ist selbstgemacht! Das muß so sein!Diese Marketingwegelagerer verprellen interessierte Kunden.
Generell: Heutzutage ist es nur eine Frage des Geldes, ob über ein Bier in Blogs, Zeitungen, Zeitschriften oder Fernsehen berichtet wird. Je großflächiger in den Foodpornos gefeiert wird, desto eher legt sich der Verdacht nahe, daß es sich um ein Etikettenbier handeln könnte. Die bezahlten Artikel werden oftmals nämlich nicht mehr als Anzeige kenntlich gemacht.

Wer noch weitere Anregungen hat, bitte gerne als Kommentar dazupacken!

 

Esther Isaak

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