Am Bierland

Erwachsen

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brewdog heftchen ca. 2011  Wenn die Kleinen erwachsen werden.
Wir kennen diesen Zauber der frechen Kleinen, die alles sagen und machen dürfen.Besonders süß sind auch Welpen. Flauschig, tollpatschig und wenn sie dann mal auf den Teppich exkrementieren oder den Lieblingsschuh zernagen, nehmen wir es hin und der Schuhversand jubelt.
Später dann, älter und willensstarker geworden, haben wir Schwierigkeiten, diese Entwicklung zu realisieren und würden sie gerne stoppen. Wenn sie dann auch noch streitsüchtig und vielleicht sogar ihrer Natur entsprechend bissig werden, wundern wir uns ein letztes Mal, dieses Mal über uns selber, daß wir es nicht realisiert haben.
Ein bißchen ähnlich geht die Geschichte der Brauerei BrewDog, die 2007 gegründet wurde und 2015 ca. 134.000 hl produzierte.
Stets sprachen sie von Welteroberung, aber niemand nahm sie ernst, weil sie schlicht und ergreifend so gute Biere haben und so witzig sind.
James Watt, der studierte Anwalt, mit Deutsch fließend, der in seinen Trailern unsere Spießigkeit so gerne aufs Korn nimmt, ließ uns Tränen lachen. Die Eroberung des deutschen Marktes gelang bisweilen jedoch gar nicht, was aber ursächlich eine Frage der kompetenten Distribution war.

Die erste Agentur war nach gefühlten drei Monaten zahlungsunfähig, verstand aber die Grundaussage. Danach wurden die Biere vom Vertrieb der Hofmark Brauerei notversorgt.
Derweilen erwärmte sich Deutschland vom Norden her für neue Bierstile.

Henrik dabei ein Fullers Vintage 2007 seinen Gästen zu kredenzen
Henrik dabei ein Fullers Vintage 2007 seinen Gästen zu kredenzen

An die Spitze des professionellen Vertriebes von Privatbrauerei-Bieren setzte sich One Pint A/S aus Hobro mit Henrik Kirkegaard als Geschäftsführer und seit 2003 auf dem dänischen Markt.

 

2014 gründeten Bjarne und Heidi Mark Hoier in Flensburg die OnePint GmbH. Die Theorie von Henrik ein paar Steine ins Wasser zu werfen und zu schauen, wie groß die Wellen sind, begann aufzugehen. 2016 war der Schritt des gemeinsamen Unternehmens, der One Pint Brands in Mariager, das in Dänemark 52 Brauereien und in Deutschland 36 Brauereien betreut, nur noch eine logische Konsequenz.

BrewDogBjarne im LagerDer Erfolg 2016 von 35.000 hl ist sicherlich auch das Ergebnis unüblicher Geschäftspraktiken. So werden beispielsweise keine Werbekostenzuschüsse gezahlt, alle Biere erhalten vor Distribution eine Etikettierung mit den Inhaltsstoffen in deutscher Sprache und einem Einwegpfandlabel. Jede Handelssparte hat ihr eigenes Sortiment. Die Ware wird innerhalb 48 Stunden geliefert. Bjarne sagt, daß er Lamentieren und Schimpfen ermüdend findet, ansonsten findet der 39jährige, daß jeder Mensch entscheiden kann wie sein Tag werden soll, und „warum soll es nicht ein guter Tag werden?“ Besonders beflügeln ihn die Energie seines Teams und aktuell natürlich die neuen Partnerschaftsverträge mit Sierra Nevada und BrewDog.

Für die Brauereien stehen 400 qm Kühllager und 5.500 qm Normal-Lager in Mariager und 1600 qm Hochregal-Lager in Flensburg zur Verfügung.

Matthias Thieme vom Biervana sagte neulich: „Ich hab mich bei den One Pint Leuten mal bedankt, daß es so viel Spaß mit ihnen macht und so gut klappt!“ Aus dem Munde eines deutschen Einzelhändlers kann mehr Lob nicht kommen. Was will ein Einzelhändler von seinem Lieferanten? Ein breites Sortiment, um möglichst viele Sorten auf eine Palette zu packen und Versandkosten zu sparen. Ein gutes Mindesthaltbarkeitsdatum von 6 Monaten. Eine zügige und korrekte Lieferung und natürlich Superpreise.

Die Vorstellung, daß jetzt BrewDog in Deutschland von Profis gemanagt wird, ist also auch für den Einzelhandel euphorisierend.

Technisch gesehen, sind Ingenieure von den Projekten in Schottland absolut begeistert. Der Brauingenieur (Weihenstephan) Stefan Riggert, Ziemann Deutschland: „BrewDogs Biere sind so gut, weil sie die Chance haben, je nach Chargengröße in unterschiedlichen Brauereien zu brauen. Erst Versuchsbrauerei, dann Kleinbrauerei, dann, bei Erfolg, die große Brauerei und mit der Brauerei, die sie jetzt in den USA in Betrieb genommen haben, werden sich die Kenntnisse noch einmal erweitern“.

Noch ein paar Zahlen gefällig:

BrewDog 2016: 760 Mitarbeiter und 1 Hund, 44 Bars weltweit, 214.000 hl, 32.000 Aktionäre

Eigentümer: James Watt und Martin Dickie und 20% wurden an einen Fond verkauft, mit der Option sie in 10 Jahren wieder zurückzukaufen. Auf diesem Weg wurde die weitere Welteroberung finanziert.

Bjarne: „Ich freue mich, daß wir in Deutschland nun auch den Weg des guten handwerklich Gebrauten gehen und die Kunde von erstklassigen Bieren immer mehr Menschen erreicht! Ich fühle mich geehrt, BrewDog und Sierra Nevada jetzt neben Bieren der Brauereien Fullers, Jopen, Innis & Gunn, Brew Age, Samuel Smith, Shepherd Neame, Rogue, etc. exklusiv vertreiben zu dürfen. Diese Verantwortung ist der Typ von Herausforderungen, die mich extrem reizen. Wir haben nur ein Leben und entscheiden, was wir daraus machen! Cheers!“

Folgende Biere können ab Montag in Flensburg und schon Freitag im Bierland erworben werden:

BrewDog Handewitt

 

P.S.: Wer denkt, in die One Pint Familie zu passen: Es gibt viel Platz für neue Mitarbeiter. Einfach anrufen und nachfragen!

Text: Esther Isaak

Fotos: Esther Isaak & One Pint Flensburg

Verfolgen Esther:

Beerdealer

Frau Isaak, was würden Sie in Ihrem Leben rückblickend gerne ändern?

„Nur den Geburtsort“ die Antwort – aber selbst das ist nicht schlimm. Mein Atmen begann mit 45° Celsius. Ich schätze das Hamburger Schmuddelwetter.

One Response

  1. Thomas | MojitoPapers

    Hallo Esther,

    danke für den interessanten Artikel! Echt irre, wie groß die Revoluzzer-Schotten in knapp 10 Jahren geworden sind!
    Freue mich nichtsdestotrotz darauf, mir ein „Dead Pony Club“ bei dir im Laden rauszuholen!
    Cheers
    Thomas

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