Lervig: 3 Bean Stouit

Ein paar Notizen zur Braukunst Live! 2016

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Die Braukunst Live! 2016 war ein gelungenes Bierevent, für mich. Bei den vielen Gesprächen und Diskussionen, z. B. mit Warsteiner und Slow Bier kam das Bier trinken beinahe zu kurz. Die Schlangen vor den Männer-Toiletten blieben überschaubar. Der Ausschank Schluss eine halbe Stunde vor Ende war dafür um so deutsch-strenger, licht-greller, bier-ernster und preußisch-gnadenloser und dürfte manchen Besucher, der den Eintritt vielleicht etwas später als geplant hingelegt hat, verärgert haben.

Sehr gespannt bin ich auf das Video von Mareike: tolle und simple Idee für eine visuelle Umsetzung des Themas Reinheitsgebots. Endlich habe ich ein passendes Bier-T-shirt mit einer eindeutigen und friedfertigen Aussage: „Die Schlächter des Reinheitsgebotes“ ha-ha. Wer sowas auch tragen möchte, bei Sebastian Sauer anfragen.

Das Kriek aus der Telemark von der norwegischen Brauerei Nøgne ø hat mir sehr gut geschmeckt und mich nachhaltig beeindruckt. Durchgegoren, trocken, intensive Farbe. Die kompromisslosen, begnadeten und mutigen Brauer wagen sich also auch an diesen belgischen Bierstil mit seiner besonderen Mikrofauna, auch wenn sie das Original vielleicht noch nicht erreicht haben, aber es ist ja auch ein norwegisches Kriek, Hut ab.

Welde glänzte nach der Badisch Gose mit einem Verschnitt aus Gose und Grauburgunder, Wein trifft Bier, provokant, weit jenseits des Reinheitsgebots. Muss das sein? Ja, das muss sein, erst Recht für ein Bier auf der Braukunst. Hat sowas Zukunft? Keine Ahnung. „Zuviel Wein im Bier“ meinte mancher, vielleicht, vielleicht auch nicht aus der Sicht des Weintrinkers. Das Ende der kreativen „Bier-Geschmacks-Horizont-Erweiterung“ ist damit sicherlich noch nicht erreicht. Zombräu bei Landshut experimentiert mutig mit Apfelsaft. Hat das Zukunft? Keine Ahnung.

Welde, Zötler und Alpirsbacher hatten einen gemeinsamen Stand unter dem Label der „Freien Brauer“. Welde bietet Spezialitäten, Zötler aus dem Allgäu ebenfalls und diese Heu-Limonade. Nur Alpirsbacher enttäuschte mit „altem Bier“ in neuen Flaschen. Der „kleine Mönch“ bekommt ein verspieltes grünes Hopfenranken-Motiv rundum auf die winzige 0,25 Liter Flasche. Das ist schon nah dran am Etikettenschwindel. Gerade auf einer Bierspezialitäten-Messe erwartert der kundige und erwartungsfrohe Besucher ausgehend von der Optik einen anderen Geschmack z.b. mit Aroma-Hopfen, Kräutern, Gewürzen als den altbekannten Geschmack eines zwar guten aber „normalen“ stärkeren Exports. Warsteiner war da ehrlicher: „Wir sind nicht Craft“ aber trotzdem da.

Oliver Wesseloh braute mit Sierra Nevada ein starkes IPA, das ist mega-beer-cool. Collaboration wollen wir, nicht dieses Ellbogen-Wettbewerbsgezerfe um jede Kneipe für eine Brauereibindung bis Lebensende. Der Arrogant Bastard von Stone interessant, ganz eigener Geschmack, aber davor müssen sich Kreativbrauerei, Hopfenstopfer, Braukunstkeller, Hanscraft, Ale-Mania, Buddelship und wie sie alle heißen, nicht fürchten, denn das können die allemal auch. Stone wird in Dosen kommen ab Sommer oder so, die Dosen frei von Bisphenol hieß es, vielleicht mit einer Extra-Dosis Power-Glyphosat. Merke: „das Böse ist immer und überall.“

Die Biobrauerei Lammsbräu hatte ich bisher ganz zu Unrecht ausgelassen. Ein bananiger Dinkel Bock überzeugte. Und es gab noch mehr, auch Holzfassreifung oder Holz-Chips. Ich sollte ein oder zwei Biere in’s Sortiment aufnehmen.

Im Hotel Bold war am Freitag wenig los. Die bayerischen Gemüts- und Urbrauer vom Wampenbräu um Daniel Jakob machten den Mangel an Craftbrauer-Urgestein-Atmosphäre jedoch wett. Am Samstag war mehr los, ich bin dann auf Wasser umgestiegen, hatte dann eine saure Hippster-Rose-Wein-Schorle für gelangweilte Großstadt-Erlebnis-Hungrige als Lambic-Ersatz, was natürlich Null funktionierte. Man darf Bier niemals zu kalt trinken nörgelte und ermahnte mich eindringlich Gil Scheuermann vom Braukollektiv aus Freiburg, man komme nämlich sonst in die Bierhölle wo es nur warmes Becks und Co als Freibier gebe 24/7 und keinen Tropfen Wasser. Also aufpassen Bierfreaks, dass Ihr in den Himmel kommt, die Hölle wird bier-fürchterlich sein für Euch. Auf Bier deluxe lese ich: empfohlene Trinktemperatur für Boon Kriek: 2-5 Grad Celsius, eben Kirsch-Kriek-kalt, Arsch-kalt ist dagegen schon fast Piss-warm. Wenn die Krankenschwester rektal 2 Grad Celsius misst, seid ihr kurz vor dem Erfrierungstod z.B. in einem postnuklearen sibirischen Atomschlag-Wintermärchen. Dann, ja dann wäre ein wärmendes Russian Imperial Stout – Putin oder Rasputin – genau das Richtige, kredenzt von Großmütterchen Russland.

Ansonsten werde ich dieses 500 Jahre Reinheitsgebots-Gedöns mit viel unreinem Bier und meinem neuen T-shirt feiern, Prost.

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