Orca

Die Intelligenz des Orca

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„Ich habe meine Landsleute völlig unterschätzt. Hier gibt es ein Konzept für Genuss und die Nürnberger finden es völlig normal, dass man mit Geschmacksvariationen spielt und so schaut, ob es einem schmeckt oder nicht.“

Inmitten eines Industriegebietes und umgeben von Spargelfeldern

 

Der dieses sagt, ist der, der mal das Blog „Lieblingsbier“ betrieb, dann für ein Jahr nach Kanada ging, dort weiter ins Craftbeer eintauchte, wieder in Berlin eine Zeit mit Sylvia Kopp zusammenarbeitete und dann so lange von und mit Heidenpeters lernte, bis dieser ihm seine alte Brauanlage für kleines Geld überließ und er seine Wanderjahre in Nürnberg enden lassen konnte. Mit Susa, und dem Brandschutzbeauftragten, dem zweijährigen Sohn, ist man seither am Schaffen.

Das Brauhandwerk ist schon ein verdammt harter Job und manchmal schlägt die Motivationskurve auch nach unten aus. Jedoch im Rückblick ist es erhebend, was sich alles getan hat und welche Möglichkeiten die noch etwas überdimensionierte Halle bietet. Inzwischen braut er 2500l pro Monat und diese werden am liebsten direkt ab Brauerei vermarktet. Hin und wieder verbindet man einen Besuch in Berlin mit einer Lieferung und nach München wird regelmäßig ausgeliefert. Der Kontakt zum Kunden ist Felix sehr wichtig. Wenn er von Bochum spricht, leuchten seine Augen, denn Bochum ist der Ort, wo man sein Bier am besten zu verstehen scheint.

Internetshop und freitags vor Ort

Bei Betreten der Halle duftet es nach kochendem Malz. Was es für ein Bier werden könnte, weiß Felix noch nicht so genau. Im Laufe unserer Unterhaltung fällt ihm ein Name ein und dann holt er Citra Hopfenpellets und dann bekommt er so langsam die Lust auf ein erfrischendes, leichtes Sommerbier. Es wird schon werden. Kennt man ja auch vom Kochen: Gucken was da ist, überlegen worauf man Lust hat und ab geht´s. Er lässt die Wale singen und versteht sie.

Bald, bald kommt wohl eine Projekterweiterung dazu! Davon jedoch mehr, wenn es so weit ist. Erst einmal vermehren sich die Orcas und dann die Projekte. Im Sommer kommt auch ein Brauer dazu.

Jeden Freitag kann man das Bier direkt ab Brauerei holen. Wer sein eigenes Hochzeitsbier möchte, hier wird es ihm gebraut. Wer für die Hochzeit mitbrauen möchte. Auch das geht hier.

Beim Abschied denke ich mir: Ach, möge das Glück den Orcas weiterhin hold sein. Sie haben es mit ihrem Schweiß erarbeitet.

Heute, 29. Januar 2020, frage ich mal nach, wie denn die PopUpBar gelaufen sei. Felix ist begeistert und meint: War gut! Wir werden einen eigenen Laden/Taproom machen und eine neue Brauanlage kommt auch! Es verschlägt mir fast die Sprache, denn Menschen, die sich nicht verbiegen und nicht bereit sind, ihre Seele, ihre Haltung zu verkaufen, bekommen eigentlich nie Kredite und die wird er dafür brauchen. Also will ich es genauer wissen!

Es kam jemand vorbei, der genau dieses Projekt für unterstützenswert hält und verlagert sein Geld in die Orcas. Die inzwischen vierköpfige Familie kann aufatmen, kann ohne Druck weitermachen, kann weiterhin unverbiegbar bleiben und hat jetzt die Chance mit Technik und eigenem Ausschank in die Gewinnzone zu kommen. Ab ca. 500 hl im Jahr wird Geld verdient. Felix war bei unserem Besuch noch sehr weit davon entfernt.

Es gibt sie also, die Guten Menschen und die Guten Nachrichten!

 

Esther Isaak

 

http://www.orcabrau.de/

Text und Fotos: Esther Isaak

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