Der Biobierbrauer Maximilian Krieger aus Riedenburg

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Von der Riedenburger Brauerei kennt die Kreativbierszene v.a. den Doldensud. Wir fanden es interessant, was Menschen wie Max antreibt, ob sie einfach nur so bio brauen oder ob sie das, was sie tun, auch begründen können. Lest selber!

1.)    Wenn ich  Eure Chronik seit 1989 betrachte, ist es die ständige Gestaltung und das Sich-Einrichten in der winzigen Nische der ökologisch gebrauten Biere. Was treibt Euch, was gibt Euch seit mehr als 20 Jahren den Antrieb?

1989 waren wir noch eine reine Weißbierbrauerei und in Riedenburg wurde der Rhein-Main-Donaukanal gebaut, was ein gravierender Eingriff in eine intakte Umwelt war. Das hat meine Eltern sensibilisiert und darüber hinaus wurde die Umwelt durch die konventionelle Landwirtschaft immer stärker ausgebeutet. Das wollten sie nicht mehr unterstützen und haben deshalb die Brauerei auf einen Ökobetrieb umgestellt.

Es ging meinen Eltern darum vollwertige und charaktervolle Biere herzustellen, daher haben sie mit anderen Getreidesorten (Einkorn und Emmer) experimentiert die bis dahin noch niemand verwendet hat und so das Sortiment immer weiter ausgebaut. Im Grunde ging es meinen Eltern nicht darum ein Nische zu bedienen sondern es ist war vielmehr ihre Lebenseinstellung. Und ist es für uns auch heute noch.

2.) Was genau unterscheidet biologisch produzierte Bierzutaten von den konventionellen?

Im Bio-Landbau werden keine Pestizide und chemischen Düngemittel verwendet. Der Boden wird durch Monokulturen nicht ausgebeutet, sondern durch das Handwerk der Bauern und Fruchtfolgen nachhaltig am Leben erhalten.

Das und der Einhalt der Biorichtlinien sind die Basis im Biolandbau. Wir setzten alte Getreidesorten ein die zwar nicht so viel Menge bringen, aber dafür beste Braueigenschaften haben.

3.) Was bedeutet der Satz: „Verwendung nur von ungekreuzten Sorten – weil wir auf die Erfahrung der Natur vertrauen“?
Getreidesorten werden in der Züchtung gekreuzt um u.a. möglichst hohen Ertrag zu bringen. Dadurch bleiben aber andere Eigenschaften auf der Strecke. Wie z.B. Eiweiß, das ein wichtiger Geschmacksträger ist. Ungekreuzte Getreidesorten sind in der Regel krankheitsresistenter und kommen so ohne den Einsatz von Pestiziden besser mit Krankheiten zurecht. Ungekreuzte Sorten sind zudem genügsamer und wurzeln z.B. tiefer als moderne Sorten die darauf angewiesen sind, dass ihnen der Bauer alles gibt, was sie zum Leben brauchen. Hinzu kommt, dass alte Getreidesorten verträglicher sind, je weniger gekreuzt sie sind. Auf den Emmer sind wir aufmerksam geworden, weil einer unserer Bio-Bauern kein Getreide essen konnte, bis er den fast schon vergessenen Emmer wieder entdeckt hat.

Außerdem ist bei Bio-Getreide Gentechnik absolut tabu.

4.) Euer Emmerbier ist sicherlich unter den Spezialitäten eines der bekanntesten. Ich finde es zwar nicht im inhabergeführten Fachgeschäft in Hamburg, jedoch in den Bioladenketten wie Alnatura. Ist der Vertrieb nicht denselben Kriterien wie die Beschaffung von Rohstoffen unterstellt?
Wir sind eine kleine bayerische Brauerei und vertreiben überregional unsere Biere in erster Linie über den Bio-Handel. Von dem können inhabergeführte Fachhändler ebenso beziehen wie Bioladenketten wie z.B. Alnatura. Wir behandeln alle Händler, ob groß oder klein, gleich, unterstützen aber den Bio-Handel. Wenn dagegen Anfragen von Discountern kommen, bleiben diese unbeantwortet liegen.

5.) Wie kann es sein, daß eine Riedenburger Brauerei, die sich nach meinen Informationen unter der 30.000 HL Grenze befindet, einen Doldensud so deutlich günstiger als die Nichtbiocraftbiere anbieten kann. Theoretisch, aufgrund der weitaus kostspieligeren Zutaten, müßte eine 0,33l Flasche doch 50 Cent über der eines vergleichbaren Craftbieres liegen. In der Realität ist sie 50 Cent günstiger. Wie geht das?
Wir kalkulieren nach dem Vollkostenprinzip und die Bio-Rohstoffe sind zwar deutlich teuerer aber auch nur ein Teil der Kosten. Die Frage ist, was ein vergleichbares Craftbier überhaupt ist? Andere Brauereien haben teilweise keine eigene Brauerei sondern müssen das Lohnbrauen in externen Brauereien bezahlen. Dazu kommen Transportkosten ins Lager, Lagerkosten, Kosten für Verpacken, Kartons, Neuflaschen und Etiketten, ineffiziente Transportwege.

6.) Es heißt oftmals, daß zu wenig ökologisch produzierte Malze und Hopfen vorhanden wären, um mehr Biobiere herzustellen. Stimmt das oder ist es eher so, daß die Nachfrage schlicht und ergreifend nicht da ist?
Ich glaube, dass weder das eine noch das andere stimmt. Dass die Nachfrage nach Biobier da ist, merken wir jeden Tag. Von einem Rohstoffmangel habe ich auch noch nichts gehört. Für uns spielt das sowieso keine Rolle, da wir langjährige Partnerschaften mit unseren Landwirten haben und so die Versorgung aus der Region langfristig sicher stellen.

7.) Wann gibt es den Doldensud in der Dose?

Never! Nur Flaschen kaufen Dosen!

 

Esther Isaak fragte Maximilian Krieger von der Riedenburger Brauerei

Foto: Maximilian Krieger

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