Das CRAFT-BIER Buch – Die neue Braukultur von Sylvia Kopp

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Wer bis jetzt kein Bücherregal hatte, baut sich eines

Die Post ist da! Ein Paket für mich.
Vom gestalten Verlag.
Aufregung greift um sich. Hände waschen, Schlupflider aus den Augen wischen, Brille putzen, einen guten Kaffee machen und dann die Verpackung aufreißen:
Vor mir liegt Das CRAFT-BIER Buch von Sylvia Kopp.
Es ist ein großes Buch, es ist 248 Seiten stark, wiegt ca. 1,75 kg und quillt über vor Inhalt.
Ein paar Sätze zu Sylvia Kopp: Magistra de Geisteswissenschaften, Journalistin, Biersommelière und Inhaberin der Berlin Beer Academy in Berlin Mitte wurde schon immer wegen ihrer gewählten Sätze und der Genauigkeit ihrer Aussagen geliebt. Fans hängen sich Ausschnitte ihrer Texte über´s Bett. Kopp macht nur in Qualität.
Aber was kann man nun mit dem Buch anfangen?

1. Der Eingangstext von Kopp ist wunderbar leidenschaftlich, erdet und stellt beispielsweise klar, daß die aktuelle deutsche Bierbewegung in Kehlheim anfing und sich dann über das Chiemgau und Fritz Wülfing fortsetzte. Endlich ist das mal geklärt. Sehr plausibel wird die Entwicklung des Gebräus in drei Umwälzungen aufgeteilt: 1253 Der Hopfen, 1842 Pilsner Urknall, 2007 Das Hopfenfeuerwerk – Craft-Bier wird international durch das Gemeinschaftswerk von Garrett Oliver und Hans-Peter Drexler, durch die Hopfenwieße. Es sind die Beiläufigkeiten des Textes, die so anrührend sind wie beispielsweise eine Referenz an Michael Rudolf, den sicherlich nur diejenigen kennen, die schon länger Bier trinken.

2. Die Beschreibung der Bierstile ist äußerst präzise und eine großartige Hilfe für alle, die sich beruflich mit Bier beschäftigen. Jedoch ist sie auch für die Liebhaber begreifbar und verständlich. Es gibt immer einen einführenden Teil, der sich mit der Historie beschäftigt, dann folgen die Kostnotizen und der Aspekt, zu welchem Essen sich dieser Bierstil eignet.
Eine Schautafel, die noch einmal Herkunft, Charakter, Alkoholgehalt, Trinktemperatur, Glaswahl und Referenzbiere in Augenschein nimmt, vervollständigt den Text.

3. Man kann mit Hilfe des Buches ein Bier brauen. Fritz Wülfing hat ein Rezept zur Verfügung gestellt. Die Zeichnungen, die den Brauvorgang darstellen, sind entzückend und erklärend.

4. Es gibt eine Auswahl von Brauereibeschreibungen, die die sehr lauten elegant links liegen läßt oder wenn erwähnt, durchaus auch kritisch betrachtet. Das ist anerkennenswert. Es ist eine Auswahl von ca. 70 Brauereibetrieben weltweit, die sehr üppig bebildert und spannend ist.

5. Anhand von Rezepten bekommt der Leser eine Ahnung, welches Bier zu welchem Essen passen könnte wie beispielsweise Dreierlei von der Ente zu Barley Wine. Die Paarungen sind eher unkonventionell und für mich sehr reizvoll auszuprobieren.

Allgemein betrachtet ist es ein Buch für Männer. Den Hinweis darauf gibt, neben dem Gewicht, das Layout bzw. die Beef-pornographisch anmutende Bestückung mit Fotos. Frauen werden mit sehr weiblich-leidenschaftlichen Texten entschädigt. Eine kleine Kostprobe auf  die Frage nach dem „Und wie geht es weiter? …. Am schönsten wäre es, wenn die Lebendigkeit und Vielfalt der heutigen Craft-Bier Welt weiterblühen und gedeihen könnte, wenn zu den Brewpubs und Bars noch viele, viele angenehme Orte dazukämen, an denen wir bei einem guten klassischen oder neuen Bier zusammensitzen.“; S. 11

Unter den Adressen ist auch das BIERLAND genannt, was uns erstaunt und erfreut hat. Andererseits sind wir froh, jetzt endlich ein paar Hilfsmittel für unsere kleine Bierschule zu haben.
Das Buch ist auch ein bißchen Werbung für die Berlin Beer Academy, setzt man diesen Aspekt jedoch in Relation zu dem Wissen, das hier preisgegeben wird (ich sehe schon die fotokopierten Folien in den Marketingveranstaltungen), dürfte es gerne mehr sein.

Also, um mit dem vergangenen Reich-Ranicki zu sprechen:
Ein außerordentlich lesenswertes Buch!
Kostet nur 35 €

das Buch kann man im Online-Shop kaufen:
http://shop.gestalten.com/das-craft-bier-buch.html
Verlag gestalten

 

Text & Foto: Esther Isaak

3 Responses

  1. Franziska

    Was dieser Passus mit den Geschlechtszuschreibungen in der Rezension soll versteh ich nicht. Unabhängig davon ises halt einfach Unfug zuwas „männlichen“ oder „weiblichen“ Personen zu zu schreiben.
    Ansonsten Danke für den Tipp.

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