Bier leben Die neue Braukultur von Julia und Oliver Wesseloh

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Halloween, oder doch lieber Aufklärung?

Kürbisfarben liegt es vor mir, dieses wunderschöne Buch, diese Liebeserklärung an das Bier, wie Mareike es richtig beschreibt.

Julia hat es geschrieben. Sie hat es geschafft, ihrem Mann „auf´s Maul zu schauen“ (Ausdruck stammt aus der Zeit Martin Luthers) und  daraus einen Text zu komponieren, der sich nicht nur flüssig hinweglesen läßt, der nicht nur durstig macht, sondern auch kritischer Recherche standhalten kann. Nun ist es nicht schwer, Olivers Theorien zu folgen, aber mit ihm ein Buch zu bauen, ist sicherlich nicht einfach gewesen. Der Rowohlt Verlag wollte ein Buch über den Weltmeister Biersommelier, Oliver wollte ein Buch, bei dem er nicht im Mittelpunkt steht und Julia mußte diese Wünsche unter einen Hut bringen. Glückwunsch. Es ist gelungen.

Daß das Buch zum 31. Oktober, dem Reformationstag (Martin Luther prangert in seinen 99 Thesen den Ablaßhandel der Kirche an), erscheint, ist passend, denn auch hier wird angeprangert, wird das Reinheitsgebot in seine Bestandteile zerlegt, wird indirekt der Brauerbund als Ablaßeintreiber bloßgestellt.
Es ist aber auch das Buch von der Theorie des Kreativbieres, die von den Säulen
Inhaberführung, Transparenz, Vielfalt und Natürlichkeit getragen wird. Diese vier Säulen werden kurz und prägnant beschrieben, was stilistisch das gesamte Buch (237 Seiten) auszeichnet. Kein Endlosgesülze, sondern Tacheles wird geschrieben.

Für wenn ist das Buch:
14,99 € kann jeder verschmerzen.
Es ist leicht und paßt in jede Frauenhandtasche. Für Frauen.
Es ist wunderschön layoutet von Klaas Twietmeyer. Für Buchliebhaber.
Es hat keine Fotos, also nur zum Lesen geeignet. Nicht für Kinder und Bierpornogucker.
Es hat eine Anleitung zum Brauen und ein paar Rezepte. Für Brau-Beginner.
Es erklärt die Bestandteile des Bieres wie Hopfen, Hefe, Malz, Wasser. Für Bierliebhaber.
Es ist eine gute Anleitung, ein komplexes Getränk einfach und einleuchtend zu erklären. Für Bierlehrer.

Meine Lieblingspassage S. 144: „…Wie wird aus Getreide eigentlich Malz?  Damit Getreide zu Malz wird, werden die Körner zunächst einmal künstlich zum Keimen gebracht und anschließend wieder getrocknet. Dabei simuliert der fiese Mälzer den armen Körnern, daß sie zu Pflanzen werden dürften…

Welches Bier paßt zu dem Buch? Eindeutig paßt der Barley Wine You can leave your hat on vom Autor. Zugegeben habe ich  eine 2011er Nelson Sauvin TAPX von Schneider Weisse dazu  getrunken. Dieser Tropfen ist aktuell in einer wunderbaren Phase, die ein Wein nicht ansatzweise erreichen könnte.

Was zu dessen Brauerei, ihrem Inhaber und zu vielen anderen im Buch steht, überlasse ich jetzt dem Buchgeheimnis.

http://www.rowohlt.de/taschenbuch/oliver-wesseloh-bier-leben.html

gibt es natürlich nur im Buchhandel vor Ort, oder im Bierland in Hamburg oder bei Brolters in Bremen

 

Buch udn Kehrwieder Biere

Text und Foto

Esther Isaak

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