111 wunderbare Biertexte

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111 fränkische Biere die man getrunken haben muß
Martin Droschke und Norbert Krines

Eines sei hier vorweg gesagt: Eines der besten Bierbücher, die ich in diesem Jahr in den Händen hielt.

Bevor ich das Buch öffne, finde ich es bereits furchtbar häßlich: Dieser Buchumschlag, diese Buchumschlaggestaltung ist wie ein langweiliges fränkisches Bieretikett. „Bestimmt fallen auch gleich die Seiten, wie bei jedem fränkischen Reiseführer, auseinander“ geht mir so durch den Kopf. Einmal kurz durchgeblättert. Diese Fotos, dieses Layout: gräßlich!
Ach Esther, komm, der Norbert wird doch kein Schrottbuch von der Stange produziert haben und der Martin, den ich noch nicht persönlich kenne, wohl auch nicht!
Gib Dir einen Ruck! Nimm es mit ins Wochenende.
Montagabend. Immer noch nicht reingeschaut, sondern mir den Kopf zerbrochen, warum nur von zwei Brauern Porträtfotos dabei sind, warum bei manchen Brauereien Fotos von den Gasthäusern und bei anderen Fotos von den Flaschenbieren gezeigt werden.
Mir den Kopf zerbrochen, warum der Preis bei 16,95 € liegt, zumal die Produktion ja augenscheinlich sehr günstig war.
Dann fange ich an zu lesen und ich lese mich richtig fest. Dieses Buch ist Literatur, ist ein Integrationskurs in die fränkische Bierseele, ist mit liebevoller Ironie und mit großem Fachwissen gespickt.
Eine kleine Kostprobe zum Franken: „Er ist nicht für seine Gefühlsausbrüche bekannt, aber sein Bier ist ihm Ausdrucksmittel der Geborgenheit geworden. Es ist der Gradmesser seiner Identität.“ (Seite 30)
Das ist wunderbare Wortschnitzerei. Ein jeder, der mal vor Ort war, hat genau dieses empfunden, und fragte sich, wie er es ausdrücken könnte.
Eine Kostprobe zur Bierbeschreibung beim Lager von Greifenklau: „Nimmt man einen Schluck in den Mund, schleicht sein üppig malziger Körper behäbig über die Zunge. Auf halbem Weg schubst ihn der Hopfen von dort weg und breitet seine angenehm dosierten Bitterstoffe wie ein Leintuch aus. Man fragt sich: Wie kann es sein, dass sich Gott nur in Frankreich als ein solcher fühlt, obwohl er sich hier einen Steinkrug voll Genuss zapfen lassen könnte?“ Seite 82)
Was an diesem Buch auffällt, ist der Verzicht auf Sommeliersprache, die mir inzwischen ohnehin auf die Nerven geht. Hier wird getrunken und geschrieben, geschrieben was einem in den Sinn kommt. Wunderbar!

Glückwunsch Ihr beiden! Gut gemacht! Möge dieses Buch auf jeden Gabentisch kommen!

Und zum Einband: Das Buch fällt nicht auseinander.

Und der Buchhändler bestellt das Buch gerne unter folgender

ISBN: 978-3-95451-922-4 / Emons Verlag

 

Text: Esther Isaak

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